Gfüllti Biberli – Oder die Entzauberung des Nikolaus!

Biberli_TItelbild

Sami Niggi, Näggi,
hinder em Ofe stegg i,
gimer Nuss und Bire,
so chumm i wieder füre.
Dieses herzallerliebste Schweizerdeutsche Nikolausgedicht und eine ganz feine Schweizer Spezialität habe ich heute für euch ins Nikolausensäckchen gepackt!

Dieses kleine, schweizerdeutsche Nikolausgedicht kennt wahrscheinlich jedes Kind in der Schweiz. Es erzählt davon, dass sich ein Kind hinter dem Ofen („Ofe“) vor dem Nikolaus versteckt und wenn man ihm Nüsschen und Birnen („Bire“) gibt, dann kommt es wieder hervor.
Pünktlich wie eine Schweizer Uhr kommt er jedes Jahr am 6. Dezember wieder. In der Schweiz heißt der Nikolaus „Samichlaus“ und der Krampus heißt „Schmutzli“.



Oh, wie habe ich als Kind dem abendlichen Ausflug in den Wald entgegengefiebert! Das war wirklich jedes Jahr ein Highlight für mich, denn im Dunkeln in den Wald zu gehen und den Samichlaus und seinen Gefährten, den Schmutzli, dort vorzufinden war für mich unglaublich spannend und faszinierend. Ich fragte mich nämlich das ganze Jahr hindurch, wo er sich denn so gut versteckte und wo sein Häuschen steht. Und vor allem fragte ich mich, wie er es anstellte, mich übers Jahr hindurch zu beobachten, sodass er mir jedes Mal am 6. Dezember sagen konnte, was ich gut und was ich besser machen könnte!

Ich kann mich noch genau an einen, und zwar meinen letzten Samichlaus-Waldausflug erinnern. Ich muss etwa 6 oder 7 Jahre alt gewesen sein.
Für den besagten Abend hatte ich natürlich, wie es sich gehört, ein Gedicht eingeübt. Ich hatte es bestimmt gefühlte 10.000 Mal aufgesagt, sodass ich es dann auch ganz sicher fehlerfrei und fließend dem Samichlaus aufsagen konnte. Zum Glück fiel mir auswendig lernen immer ziemlich leicht!



Es war stockdunkel im Wald, relativ kühl, aber es gab supersüßen Früchtetee, mit dem ich mir, so gut es auch nur ging, Mut antrank. Auf einmal stand der Samichlaus vor mir, hinter ihm der komplett schwarz gekleidete Schmutzli, und er hielt einen Zettel in der Hand. Er beugte sich zu mir runter und ich konnte sehen, was auf dem Zettel stand. In meinem Kinderkopf begann es zu rattern – die Schrift kam mir sehr bekannt vor!

Ich schaute zu meiner Mutti hoch, dann zum Samichlaus rüber, dann wieder zu ihr und wieder zu ihm. Und auf einmal machte es „klick“ und ich verstand, dass der Samichlaus quasi der Verlängerungsarm der Erziehungsmethoden meiner lieben Mutti war.

Diesen Strich hatte sich meine Mutti selbst durch die Rechnung gemacht, denn von nun an halfen nicht einmal die züchtigenden Worte des Samichlaus mehr! Hihihi!

Aber jetzt möchte ich euch noch kurz etwas zum Rezept sagen! In der Schweiz gibt es am 6. Dezember ein „Samichlausäsäckli“ (ein Nikolosackerl, Beutel oder wie auch immer), gefüllt mit Mandarinen, Erdnüssen, Schokolade und eben Biberli.

Biberli sind eine Art mit Marzipan gefüllte, trapezförmig zugeschnittene Lebkuchen, die es aber hier in Wien in dieser Form nicht gibt. Darum hat das Fräulein kurzerhand handangelegt und sich die gefüllten Biberli selbst gebacken!
Und weil ich mir dieses Jahr leider das Samichlausensäckli selbst machen musste, packte ich nur rein, was ich wirklich liebe: „Gfüllti Biberli“ und Erdnüsse! Und es ist das beste Sackerl, dass ich je bekommen habe!

In diesem Sinne: Happy Samichlaus und frohes Naschen!


 

Rezept für ca. 20 Stück

Für den Teig

  • 75 g(!) Agavendicksaft
  • 75 g Rohrzucker
  • 1 EL geschmacksneutrales Öl (z.B. Rapsöl, Sonnenblumenöl…)
  • 2 EL Mandelmilch
  • 120 g glattes Dinkelmehl
  • ½ TL Backpulver
  • 1 TL Lebkuchengewürz

Für die Füllung

  • 120 g Marzipanrohmasse
  • 40 g (Birken-)Staubzucker
  • ½ TL Stärke
  • Abrieb von ½ Zitrone + 1 TL Saft
  • 4 EL Mandelcuisine zum Bestreichen

 

Und so geht´s:

Für den Teig Agavendicksaft, Rohrzucker, Öl und Mandelmilch in einem Topf kurz aufkochen, sodass sich die Zuckerkristalle möglichst auflösen. Die Maße abkühlen lassen und anschließend mit dem Dinkelmehl, Backpulver und Lebkuchengewürz zu einem Teig zusammenkneten. Den Teig zugedeckt bei Raumtemperatur eine Stunde stehen lassen.

Für die Füllung die Marzipanrohmasse grob zerstückeln und mit den restlichen Zutaten (außer Mandelcuisine) in einer Schüssel verkneten. Ist die Maße zu klebrig, dann allenfalls noch etwas Staubzucker hinzufügen. Nun die Marzipanmasse dritteln und zu drei ca. 15 cm langen „Würsten“ ausrollen.

Den Backofen auf 170°C Umluft vorheizen.

Nun den Teig hernehmen und nochmals gut durchkneten. Den Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche auf ein Rechteck von ca. 15 x 20 cm ausrollen und in drei gleichgroße Rechtecke à 5 cm schneiden. Je eine Marzipanrolle der Länge nach auf das Teigrechteck setzen und mit dem Teig umhüllen. Die Ränder dabei gut festdrücken und die Naht nach unten legen. Nun den Teig mit einem scharfen, zackenlosen Messer in ca. 2 cm breite Trapeze schneiden.

Die Trapeze auf dem Backblech platzieren und mit Mandelcuisine bestreichen. Ab in den Ofen für 8-10 Minuten. Die Biberli herausnehmen und noch heiß nochmals mit Mandelcuisine bestreichen.

Sobald die Biberli komplett ausgekühlt sind, sollten sie in einem verschlossenen Gefäß aufbewahrt werden, da sie sonst schnell austrocknen.



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*